Oberammergau glänzt mit "Nabucco"

“Nabucco” in Oberammergau. Ein unangemessen hochfliegender Gedanke, getrieben von Ehrgeiz? Nein, zu erleben ist eine Klassevorstellung.

Jenseits der Alpen, in Verona, gehrt Verdis “Nabucco” zum Standardprogramm. Soll jetzt auch das Passionstheater zwischen den Passionsterminen zur Arena werden? “Nabucco”, die erste Eigenproduktion einer Oper, zeigt, dass Oberammergau im Konzert der Festspielorte mithalten kann. Das ist Christian Stckl zu verdanken, dem ausgewiesenen Theaterprofi, der ungebremst Bairisch redet, aber mitreiend global denkt.

180 Chorsnger sind dabei, der Groteil aus Oberammergau und Umgebung. Im Orchestergraben sitzt die Neue Philharmonie Mnchen, gebildet aus angehenden Berufsmusikern. Als Dirigent wurde der Lette Ainars Rubikis engagiert. Instrumental ist alles in Ordnung. Mehr als nur solide sind die Snger: Irina Rindzuner, die fulminante Abigaille, singt demnchst die Turandot in Oslo. Evez Abdulla, der beeindruckende Nabucco, ist ein Protagonist des Bonner Opernensembles.

Regisseur Stckl hebt in einer zweistckigen Sulenarchitektur (Bhne Stefan Hageneier) nicht den Konflikt Babylonier gegen Hebrer hervor. Die Fronten werden eher verwischt, die Kostme sind, die Wste ist nah, vlkerbergreifend staubig. Ganz unverstaubt fhrt dagegen Stckl die Sucht nach der Macht vor. Entscheidendes Requisit ist eine auf viele Spitzen getriebene Krone. Als dem Nabucco dieses Zeichen der Macht verloren geht, muss ein Kranz von Blumen als Ersatzkrone her.

Abigaille, Nabuccos vermeintliche Tochter, ist in Oberammergau eine moderne Figur, Nabucco hingegen ein Machthaber vom alten Schlag. Wenn er hoch zu Pferd erscheint, wirkt das zunchst wie ein provinzieller Theatercoup. Aber dann: Als er wahnsinnig wird, reit Nabucco das Steckenpferd eines Jungen an sich. Spter lsst Stckl den Jungen auf die Bhne

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