"Der schlechteste Gmoarat seit der Pest"

Laute Orgelmusik ertönt, ganze Schwaden von Weihrauch durchziehen den Saal, als Bruder Barnabas (Josef Köpf) auf die Bühne im Kleinen Theater Oberammergau schreitet. Der Fastenprediger will seine Schäflein noch erquicken, ehe sie im „Millionengrab von mobilen Überdachungen ersticken“ und in ihren eigenen „Schlaglöchern der Straßen ersaufen“. Wirklich zufrieden ist er mit der Arbeit des „schlechtesten Gmoarats seit der Pest“ nämlich nicht. Unter diesen Umständen sieht sich der Geistliche gar dazu gezwungen, sein Beichtgeheimnis zu brechen und beim Starkbieranstich von der Liste „Mit Augenmaß“ Klartext zu reden.

Fängt’s ja schon mit dem Rathaus an. Behindertengerecht soll’s sein. Fordert wer? Der Pater spricht’s aus. „Des schreiben alle die, die reinwollen.“ Irgendwie kein Wunder. Denn seit längerer Zeit beobachtet der Pater, wie der Altersdurchschnitt im Gemeinderat steigt. Da liegt’s fast schon auf der Hand, warum die Sitzungen immer so lang dauern, wenn sich der „Ältestenrat“ erstmal in den ersten Stock hochschleppen muss.

Aber das ist nicht Barnabas’ einzige Schelte. Inzwischen gefällt ihm nicht mal mehr sein Weg nach Oberammergau, weil die Ortseinfahrten so verschandelt wurden. Der Rainerbichl beispielsweise. Erst hat man dort die alten Gebäude endlich weggerissen, und dann? Ja dann hat man zwei Jahre später dort ähnlich schöne, gartengrüne Häuser wieder aufgebaut. Der Pater in seiner Kutte schüttelt den Kopf, trinkt erst mal einen Schluck: „Noch größer, noch länger, noch höher und noch schiacher“, moniert Barnabas. „Des war a Schlamperei von der Gmoa“, besser gesagt vom damaligen Zweiten Bürgermeister, dem Köpf Josef, der versehentlich den letztplatzierten Architektenvorschlag zum Sieger erkoren hat.

Barnabas nimmt sich selbst gehörig aufs Korn, aber auch sonst kein Blatt vor den Mund. Richtig vom Leder zieht er, wenn’s um die Bürgermeisterkandidaten, die bis auf Maria Hochenleitner alle anwesend waren, geht. Dem Publikum, welches so zahlreich erschien, das es sich sogar auf der Empore zusammenpferchen muss, gefallen die unverblümten Worte des Predigers. Ob aber auch die „BIO-Hexy“ so viel Spaß gehabt hätte? Denn was sie wohl nicht ahnte: „Wer nicht da ist, wird besonders derbleckt“, warnt Eugen Huber bei der Begrüßung vor.

„BIO“ bringt der Fastenprediger unweigerlich mit Bio-Tonne und -Müll in Verbindung. Passend. Schließlich will die 47-Jährige Arno Nunn aus dem Rathaus entsorgen. Nur wohin bringt man einen, aus dem man zwar „keine Atombombe bauen kann“, der aber „strahlt“? Der Bürgermeister grinst verschmitzt. Bei Dominikus Zwink ist das wieder eine ganz andere Sache: „Die einen wählen ihn, weil er nach allen Seiten offen ist.“ Aber: „Dann kann er ja nicht ganz dicht sein“, sagt Barnabas.

Er jedenfalls ist gespannt auf das Ergebnis der Kommunalwahlen und erhebt deshalb den Bierkrug: „Auf den nächsten wieder schlechtesten Gmoarat seit der Pest“, prostet er dem Publikum nach knapp drei Stunden bester Unterhaltung zu. mas

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