Dem Abriss ein Stück näher?

Pfarrer Rudolf Scherer, Bürgermeister Gerald Tretter (Neue Liste), die Vertreter des Gemeinderates und der Kirchenverwaltung sind sich einig: Sie wollen die Aussegnungshalle am Bad Kohlgruber Ortsfriedhof abreißen und eine neue bauen. Kreisbaumeister Christoph Schreyer würde das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert dagegen lieber erhalten (wir berichteten). Jetzt hat sich der geschäftsführende Landrat Anton Speer (Freie Wähler) der Sache angenommen und die Beteiligten zu einem Ortstermin gebeten.

Zur Überraschung vieler der 18 Anwesenden fehlte mit Dr. Nikolaus Könner, dem Referatsleiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (LfD), derjenige, dessen Stellungnahme als richtungsweisend für das weitere Vorgehen eingestuft wird. Das hatte jedoch einen ganz einfachen Grund. „Er war nicht eingeladen“, sagt Speer. „Wir wollten uns erst untereinander austauschen, ehe wir das LfD einschalten.“

Nachdem Pfarrer Scherer ausgeführt hatte, dass „das Gebäude so nicht nutzbar ist“, weil es ihm bei Beerdigungen die Einbeziehung der versammelten Trauergemeinde unmöglich mache, wurde er vom Kreisbaumeister darauf hingewiesen, dass die Kirche „als Eigentümerin der Aussegnungshalle“ einen Antrag auf Abbruch des denkmalgeschützten Gebäudes stellen müsse. Als nächster Schritt werde dann eine Stellungnahme von Könner angefordert.

Dieser habe sich laut Gemeinderat und Kirchenverwaltungsmitglied Franz Degele schon im Februar des vergangenen Jahres bei einem Gespräch zu diesem Thema geäußert. Sinngemäß habe er gesagt: Wenn die Gemeinde meine, die Aussegnungshalle abreißen zu müssen, müsse sie auch damit leben, dass ein Denkmal vernichtet werde. Seine Gesprächspartner aus Bad Kohlgrub schlossen aus dieser Aussage, dass der Referatsleiter am LfD nicht auf die Erhaltung des in die Jahre gekommenen und mittlerweile nicht mehr zweckmäßigen Gebäudes bestehe.

Entspricht dieser Eindruck der Realität? Könner sagte auf Tagblatt-Nachfrage, dass er „diese Formulierung weder bestätigen noch dementieren kann“. Grundsätzlich trete seine Fachbehörde aber „überall für die Erhaltung von Denkmälern ein“. Selbstverständlich müssten gewisse Rahmenbedingungen wie die finanzielle Belastung für den Eigentümer und die Funktionalität einer Leichenhalle weiterhin gewährleistet sein. Sollte ein Planer zu dem Schluss kommen, dass es keine architektonische Lösung gibt, die den Ansprüchen der Nutzer gerecht wird, „muss die Untere Denkmalschutzbehörde die verschiedenen Belange gegeneinander abwägen“, erklärt Könner von der Fachbehörde. Die Entscheidung, ob die Aussegnungshalle abgerissen werden darf, trifft letztlich das Landratsamt.

Im nächsten Schritt ist jetzt also noch einmal Pfarrer Rudolf Scherer gefragt: Er muss – als Vertreter der Kirchenstiftung – einen begründeten Abrissantrag stellen. Dieser wird dann an Könner weitergeleitet, der bis jetzt laut eigenen Angaben „nichts vom Bad Kohlgruber Leichenhaus gesehen hat“.

Michaela Feldmann

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