Nach dem Tiger-Absturz: Und sie fliegen weiter

The show must go on. Das ist bei der Bundeswehr nicht anders. In Kürze jährt sich der Absturz eines Eurocopter-Hubschraubers vom Typ Tiger am Scheinberg bei Linderhof (4. März 2013). 40 Millionen Euro gingen damals in Flammen auf. Vergangene Woche im Schattenwald bei Graswang, Luftlinie nur wenige Kilometer vom seinerzeitigen Absturzort entfernt: Knapp über den Baumwipfeln, in unmittelbarer Nähe des Wintergatters für das Rotwild, tauchen plötzlich wieder zwei Tiger-Maschinen auf, drehen dann ab in Richtung Tirol. Diesmal geht alles gut, auch die Hirsche geraten trotz des Höllenlärms nicht in Panik. Die Einheimischen, die Förster, Jäger und Waldarbeiter verfolgen seit Jahren mit Unbehagen die Flugbewegungen des deutschen und ausländischen Militärs in diesem sensiblen Tal.

Fakt ist: Der Hubschrauber-Absturz vor einem Jahr, bei dem sich wie durch ein Wunder ein Pilot nur leicht verletzte – ein zweiter kam gänzlich ohne Blessuren davon – er hat nicht zu einer Einschränkung des Flugbetriebs von Seiten der Bundeswehr geführt. Woran es gelegen hat, dass der Kampfhubschrauber damals Feuer fing, das steht jetzt endlich fest: Der „General Flugsicherheit“ hat seinen umfassenden Abschlussbericht fertiggestellt. Eine mickrige DIN-A4-Seite ist für die Öffentlichkeit bestimmt, der Rest bleibt „intern“. Hauptaussage der dürren Info ist folgende Feststellung der Unfallursache durch Hauptmann André Hesse vom Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe in Berlin: „Die Besatzung verfügte nicht über ein hinreichendes Situationsbewusstsein und geriet im Landeanflug in eine räumliche Desorientierung . . .“ Was wohl bedeutet: kein technisches, sondern menschliches Versagen. Viel mehr Substanzielles enthält die Bundeswehr-Mitteilung nicht.

Fast zeitgleich haben jetzt auch die Bayerischen Staatsforsten das Ergebnis des von ihnen erwirkten Gutachtens, inwieweit durch den Absturz des Helikopters der Boden rund um den Aufprallort in Mitleidenschaft gezogen wurde, dem Tagblatt übermittelt. Man könne, so heißt es darin, „keine dauerhafte Umweltkontamination“ feststellen. Dazu Richard Baur, Stellvertretender Leiter des Forstbetriebs in Oberammergau: „Es wurden von dem zuständigen Büro viele Proben genommen. Wir sind jetzt natürlich froh und erleichtert, dass wir da hinten kein ewiges Ärgernis haben. Schließlich war sogar mal von einem eventuellen Bodenabtrag die Rede.“

Das Gutachten bringe, so Baur, klar zum Ausdruck, dass bei dem Brand des Hubschraubers das meiste Kerosin und Hydrauliköl mit verbrannt sei und nur Restmengen ins Erdreich eingedrungen seien. Zudem habe die Bundeswehr einen Kiesfang zwischen Staatsstraße und Absturzstelle ausgebaggert. Es sei zwar gemäß Analyse ein gewisser Schadstoffeintrag insbesondere von Metallen wie Aluminium, Titan, Kupfer, Cadmium, Nickel, Zink in den Oberboden festgestellt worden, als besonders kritisch zu bewertende Dioxine und Furane wären beim Brand aber nicht entstanden. Auch von den Brandrückständen der Kohlefaserwerkstoffe des Hubschraubers an der Absturzstelle ginge inzwischen keine Gefahr mehr aus. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass Handlungsbedarf „im Moment nicht mehr besteht“.

Von Ludwig Hutter

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