Kraftakt steht bevor

Die Hoffnung stirbt zuletzt. An diesen Strohhalm klammerten sich in den vergangenen Tagen die Verantwortlichen des König-Ludwig-Laufs in Oberammergau. Das Warten auf den ersehnten Schnee geriet zur Geduldsprobe. Sollte es ihnen so ergehen wie den Kollegen in Garmisch-Partenkirchen, die alle geplanten alpinen Weltcuprennen absagen mussten? Ein paar Zentimeter des „weißes Goldes“ am Freitag, dasselber nochmal gestern – und in der letzten Nacht? Eine Gratwanderung. Stand gestern will das Organisationskomitee die 42. Auflage dieses größten Volksskilanglaufs in Deutschland durchziehen, Loipenchef Sepp Hutter gab die entsprechende Losung aus. Eingehende Befahrungen der Strecke am Nachmittag bestärkten ihn in dieser Einschätzung. Richtig froh wären die vielen Mitarbeiter und Helfer über entsprechende Minusgrade in der Nacht, um „Maschinenschnee“ produzieren zu können, so die Aussage von Seppi Pongratz, mit Hutter für die Loipenpräparierung beim Ludwigslauf verantwortlich.

An Wetterkapriolen ist man in Oberammergau ja gewöhnt. 2012 zum Beispiel, beim berüchtigten „Eisrennen“, herrschten Temperaturen von bis zu minus 24 Grad. Vergangenes Jahr dann zuerst Dauerregen, später dichtes Schneetreiben. Die Läufe am Samstag mussten abgesagt werden. Heuer schmolz die (bereits vorhandene) weiße Pracht immer weiter dahin, vielerorts kam das braune Gras zum Vorschein, bei deutlichen Plus-Graden. Bereits fünfmal in seiner Geschichte musste der „Luggi-Lauf“ wegen Schneemangels abgesagt werden: Zuletzt 2002, vorher 1972, 1975, 1985 und 1990. Gestern nachmittag gab sich Lauf-Urgestein Hans Reicherl optimistisch: „Wir probieren alles und wollen die vielen Teilnehmer aus dem In- und Ausland nicht enttäuschen. Es wird gehen, wenn wir in dieser Woche alle zusammenhelfen und gemeinsam mit anpacken.“ Knapp 3800 Teilnehmer aus 35 Nationen sind bisher gemeldet. „Wir erwarten noch eine ganze Reihe von Nachmeldungen“, prophezeit der Zweite Vorsitzende des KLL-Lauf-Vereins, Marc Schauberger. Fest steht inzwischen auf jeden Fall, dass nur eine Doppelrunde, zweimal 21 Kilometer, gelaufen wird. Schon jetzt appelliert der Vize an die Solidarität der ehrenamtlicher Helfer: „Wir brauchen viele, viele Hände.“

Seppi Pongratz sah gestern zwei kritische Punkte: Einmal die dünne Schneeschicht – in Graswang waren bis Sonntag etwa 15 Zentimeter Neuschnee gefallen. Und dann „die vielen Eisplatten“ in der alten Loipe: „Wir werden versuchen, das Eis aufzubrechen beziehungsweise abzuhobeln, und dann wieder einzuarbeiten.“ Vom Wettergott wünschten sich die Organisatoren in der Nacht und in den folgenden Tagen Schnee und Kälte, um beschneien zu können. Die Macher in Oberammergau, sie stehen vor einer großen Herausforderung, um nicht zu sagen – vor einer Herkulesaufgabe.

Ludwig Hutter

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